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Medizinische Fachinformationen für Ärzte.
Einleitung
Grundlagen und Physiologie
Die hyperbare Oxygenation (HBO) ist eine medizinische Behandlungsform,
bei der in einer Druckkammer, bei einem höheren Umgebungsdruck als
dem normalen Luftdruck, reiner Sauerstoff eingeatmet wird.
Unter physiologischen Bedingungen wird der größte Teil des
eingeatmeten Sauerstoffs chemisch an das Hämoglobin im Blut gebunden
und zu den Zellen transportiert. Nur ein verschwindend geringer Teil kann
im Blutplasma gelöst werden und „frei" die zu versorgenden Zellen
erreichen.
Bei der hyperbaren Oxygenation (Atmung unter reinem Sauerstoff bei
zwei- bis dreifachem Umgebungsdruck) wird der physikalisch gelöste
Anteil des im Blut transportierten Sauerstoffs um ein Vielfaches erhöht
(zehn- bis fünfzehnfach). Dieses hohe Sauerstoffangebot im Blut führt
dazu, daß alle Zellen des menschlichen Körpers optimal mit Sauerstoff
versorgt werden.
Für die Wundheilung ist eine vermehrte Sauerstoffversorgung notwendig.
Hier liegt ein erzielbarer Nutzen der HBO, denn in Hypoxie vermehrt gebildete
Kollagenvorstufen werden unter Sauerstoffwirkung in großer Menge
in funktionstüchtiges Kollagen umgewandelt, wie auch die in der Anoxie
ausbleibende Neovaskularisation durch Sauerstoff gefördert wird.
Personal und Ausstattung
Jede Druckkammerfahrt im HBO ZentrumAachen Euregio wird von unserem
baromedizinisch ausgebildeten Arzt beaufsichtigt. Er wird von Assistenten
unterstützt, die sowohl medizinisch ausgebildet sind, als auch in
die Technik der Druckkammer ausführlich eingewiesen wurden.
Fahrstand der Anlage
Patienten, die zum ersten Mal behandelt werden, werden immer vom Arzt
oder von seiner Assistentin in der Druckkammer betreut. Bei weiteren Behandlungen
können sie sich auf Wunsch des Patienten jederzeit innerhalb von zwei
Minuten in die Druckkammer einschleusen.
Der Kammerführer kann von außen über Funk sowohl alle
Patienten gemeinsam als auch jeden einzelnen über Kopfhörer sprechen.
Das Gefühl der optimalen Sicherheit erhalten die Patienten neben der
akustischen Kontrolle auch durch optische Kontrolle. Viele Sichtfenster
und fünf Fernsehkameras ermöglichen die visuelle Beobachtung.
Technik und Sicherheit
Die HBO-Behandlungskammer im Zentrum für Tauch- und Sauerstoffüberdruckmedizin
Emsland ist eine der modernsten Überdruckkammern in Deutschland und
erfüllt alle Voraussetzungen der medizinischen Geräteverordnung
(MedGV), des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) und des Germanischen
Lloyd.
Chirurgie, Neurochirurgie, Orthopädie.
Frische Verbrennungen und Verbrennungskrankheiten
Bei frischen Verbrennungen wird durch HBO die Ödementstehung abgemildert
bzw. ein bestehendes Ödem wirksam reduziert. Hyperbarer Sauerstoff
oxygeniert hypoxisches Gewebe, stärkt die lokale wie globale Infektabwehr
und führt so zu einer beschleunigten und mit deutlich geringerer Narbenbildung
verbundenen Wundheilung.
Nekrotisierende Weichteilinfektion und Gasbrand (clostridiale
Myonekrosen)
HBO wirkt direkt bakterizid und bakteriostatisch auf Anaerobier und unterbricht
damit die Toxinproduktion. Eine auch schon im Anfangsstadium einsetzende
HBO kann deshalb nicht nur lebensrettend, sondern meist sogar gliedmaßenerhaltend
sein. Therapeutisch steht die chirurgische Behandlung durch Débridement,
Abszeßexzision und offene Wundbehandlung im Vordergrund.
Schreitet jedoch das Krankheitsbild fort, sollte rasch die Entscheidung
zur HBO gefällt werden.
Transplantate
Hyperbare Sauerstofftherapie unterstützt die plastische Chirurgie.
Bei gestielten Hautlappen ist die Mikrozirkulation reduziert, bei Transplantaten
unterbrochen, es kommt zur Gewebshypoxie, unter Umständen zur Abstoßung
des Transplantates oder Lappens. Die Einheilungsquote der Transplantate
liegt mit 80 bis 90% unter hyperbarer Oxygenation.
Arterielle Verschlußkrankheit
Mit rechtzeitig eingeleiteter HBO werden die Wundheilungsstörungen
wesentlich abgekürzt, eine Abgrenzung der Gangrän erleichtert,
in vielen Fällen die Amputation hinausgezögert, sogar vermieden,
beziehungsweise die Amputationsgrenze distalisiert.
Traumatische Ischämien, Crush- und Compartement-Syndrom
Über die verlängerte Diffusionsstrecke für O2 und HBO können
auch unter geminderter Vaskularisation durch das Ödem hindurch nicht
direkt zerstörte Gewebeareale ausreichend oxygeniert werden. Hyperbarer
Sauerstoff reduziert das Ödem und stärkt die lokale Infektabwehr.
Therapierefraktäre Osteomyelitis
Bei der Behandlung der therapierefraktären Osteomyelitis spielt die
HBO eine komplementäre Rolle zur chirurgischen und antibiotischen
Behandlung. Von der hyperbaren Sauerstoffbehandlung profitieren hauptsächlich
Patienten, die auf Grund lokaler Faktoren oder Systemerkrankungen eine
besondere Disposition zur Osteomyelitis bieten oder aus bestimmten Gründen
für eine chirurgische bzw. antibiotische Behandlung nicht in Frage
kommen.
Verzögerte Knochenbruchheilung
Unter HBO werden die auftretende lokale Ödementstehung und die Fibroblastenaktivität
ebenso wie die Angioneogenese angeregt.
Contusio spinalis
Nach der spinalen Kontusion kommt es rasch zum Ödem mit entsprechenden
vegetativen, motorischen und sensiblen Funktionsausfällen. Daher ist
eine ergänzend zur medikamentösen Therapie rasch einsetzende
HBO oft die einzige Möglichkeit, bleibende Folgeschäden zu vermeiden.
Hüftkopfnekrose
In Verbindung mit einer den Markraum entlastenden Spongiosaumkehrplastik
führt die hyperbare Sauerstofftherapie zu einer Normalisierung des
intraossären Blutflusses und besseren Neovaskularisation.
Wundheilungsstörungen (z.B. Ulcus cruris, diabetische Problemwunde)
Der positive Einfluß der HBO auf Ausheildauer, Wunddehiszenz und
Wundinfektion als ergänzende Therapie zur chirurgischen und lokalen
Behandlung wurde eindeutig nachgewiesen.
Hals Nasen Ohrenheilkunde
Die rasch einsetzende HBO kann also in Begleitung rheologisch verbessernder
Maßnahmen den Zell- und Funktionsverlust und bleibende Folgeschäden
in sehr vielen Fällen vermeiden. Optimale Behandlungserfolge lassen
sich dann erzielen, wenn insbesondere bei den Krankheitsbildern Hörsturz,
Knalltrauma und Tinnitus so bald wie möglich mit der HBO-Therapie
begonnen wird.
Radiologie/Strahlentherapie
Der HBO-Effekt auf bestrahltes Gewebe besteht hauptsächlich in der
Anregung und Beschleunigung von Angioneogenese und Fibroplastenproliferation.
Klinisch äußert sich dies in einer deutlichen Reduktion der
Heilungskomplikationen und einer Verbesserung der Prognose z.B. nach mandibulärer
Rekonstruktion.
Innere Medizin
Akuter Herzinfarkt
Derzeit laufen im angelsächsischen Sprachraum mehrere Studien über
die Akutbehandlung des Herzinfarktes mit HBO, teilweise in Kombination
mit der transluminalen Dilatation. Trotz erster Erfolgsmeldungen wird man
die Ergebnisse dieser Studien abwarten müssen, um die Validität
der HBO endgültig einschätzen zu können.
Intensiv Medizin
CO-, CN- und Rauchgasvergiftung
Die antiödematöse Wirkung der HBO wirkt sich ebenso positiv aus
wie der unter Überdruck erzeugte paraerythrozytäre plasmatische
Sauerstofftransport. Dadurch werden Mortalität, Morbidität gesenkt
und neuropsychiatrische Spätfolgen reduziert.
Sepsis
Als Ergänzung der chirurgischen und intensivmedizinischen Behandlung
erhöht die intermittierende Behandlung mit hyperbarem Sauerstoff nachweislich
die Überlebensrate septischer Patienten und verkürzt häufig
die intensivmedizinische Behandlungsdauer:
Schädelhirntrauma und postanoxisches Hirnödem
Auch bei dieser Indikation basiert der therapeutische Wert der HBO auf
einer verbesserten Oxygenierung des hypoxieempfindlichen Zentralnervensystems
und der Ödemreduktion. Die HBO kann aber auch hier nur als komplementäre
Behandlung zur Intensivtherapie verstanden werden.
Arterielle Gasembolie
Bei der arteriellen Gasembolie werden unter HBO die obturierenden und die
Mikrozirkulation beeinträchtigenden Gasblasen verkleinert und das
postinfarzielle Ödem vermieden. In den meisten Fällen ist die
HBO die einzig effiziente, unter Umständen sogar lebensrettende Maßnahme.
Neurologie
Cerebrovaskulärer Insult
Hyperbar applizierter Sauerstoff verhindert das Entstehen eines perifokalen
Ödems und beschleunigt reparative Vorgänge des geschädigten
Hirnabschnitts. Bei rasch einsetzender HBO können so die Folgeschäden
erheblich reduziert und die rehabilitativen Maßnahmen vereinfacht
und verkürzt werden.
Tauchmedizin
Dekompressionserkrankung
Die einzige Behandlung der Dekompressionskrankheit ist die Rekompression
in einer Überdruckkammer zur Beschleunigung der Stickstoffelimination
und zur ausreichenden Oxygenation. Die Überdruckbehandlung richtet
sich nach dem klinischen Bild. Sie muß bis zum Erreichen der Symptomfreiheit
mehrmals wiederholt werden.
Barotrauma der Lunge
Nur mit der Behandlung unter Überdruck kann das therapeutische Ziel,
eine möglichst schnelle Rekompression, erreicht werden.
Tauchtauglichkeitsuntersuchungen, Arbeitsmedizin,
Notfalldruckkammern, Taucherlehrbetriebe
Literatur
Unter dem folgendem Link auf der Homepage von
stehen ausgewählte Kapitel des Buches :
Hyperbare Sauerstofftherapie
- wissenschaftliche Bewertung ausgewählter Indikationen –
Hrsg.: W. Welslau, G. Rinneberg, M. Almeling M. Almeling, D. Tirpitz
zum freien Download zur Verfügung.
http://www.oxymed.de/ox-akt-d.htm
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